Malerei
Gerhard Silber
Künstlerische Entwicklung
Die im Rahmen des akademischen Werdeganges (1975 – 2016) im ingenieurwissenschaftlichen Bereich erworbenen Denkstrukturen schlagen sich zunächst in der Gestaltung neuer Theorien auf Basis physikalisch-mathematischer und naturphilosophischer Statements nieder, wobei von Anfang an eine starke Faszination gegenüber der dort verwendeten Formelsprache und Symbolik sowie die Suche nach Ästhetik im Zentrum steht. Dies ist dann der »Nährboden« für einen in 2012 auf Kunst und Materialtheorie basierenden, gemeinsam mit der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach gegründeten Studiengang »Material und Produktdesign« (kooperierende Professoren: Dieter Mankau und Peter Eckart), welcher schließlich die Initialzündung für die Rückkehr zur Kunst darstellt. Im Gemenge dieser intensiven, scheinbar disparaten Impulse und »Gedankenströme« findet dann –parallel zur Professur– ein Paradigmenwechsel statt, welcher, flankiert durch eine intensive Auseinandersetzung mit Kunstgeschichte, schließlich in aktive Malerei mündet. Die Aneignung des hierfür erforderlichen Wissens wird bis heute –und hier sind die erlernten akademischen Denkstrukturen und Fähigkeiten sehr hilfreich– quasi in Form eines »Selbststudiums« durch stetigen Austausch mit anderen Künstlern sowie nicht zuletzt über die Nutzung der in den neuen Medien angebotenen Diskussionen, Interviews, Berichte respektive youtube-Beiträgen bewerkstelligt.
Artist Statement
Seit 2013 entstehen Acrylbilder auf Leinwand aus dem Bereich sozialkritischer Themen, deren Fokus einerseits auf tragischen gesellschaftlichen Ereignissen, andererseits aber auch auf der Faszination von Menschengruppen gegenüber epochalen Ereignissen liegt. In beiden Fällen werden Menschengruppen durch äußere Umstände in das Ereignis »hineingezogen«. Beispiele hierfür sind die Serie »Bomb Watchers«, wo Zuschauer in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine Atombombenexplosion fast »hautnah« erleben »dürfen«, oder die Serien »Brot & Spiele« sowie »Anmutung, Gewissen und Macht«, wo jubelnde Menschenmengen einen Raketenstart oder den Auftritt einer Führungsfigur bewundern. Die motivisch, zum Teil existentiellen Ereignisse werden mittels eines solchen Malstils (meistens mittels schwarz-weiß-Tönen) abgebildet, der sich als »Romantisierter kritischer Realismus« apostrophieren lässt. Damit wird ein Szenario bewusst in eine romantische, träumerische Atmosphäre transformiert, um eine Spannungsüberhöhung zwischen Katastrophe bzw. Hysterie und Ästhetik zu erreichen. Beide Themengruppen sollen aus Sicht der Malerei einen Beitrag zur »Soziologie spontan-kollektiver Identität« leisten, wobei letztlich ausschnitthafte Gesellschaftsportraits entstehen, in denen nicht das jeweilige Ereignis, sondern ausschließlich die Reaktionen der beteiligten Individuen auf dieses dargestellt werden (siehe hierzu auch www.art-silber.de und dort die Rubrik »Kritiken« unter https://art-silber.de/texte-2/).
- Gerhard Silber | Der Verrat
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